Mittwoch, 24. August 2011

Der Rap-Journalist im Zeitalter seiner diskussionstechnischen Bedeutungslosigkeit

Pünktlich zum Release des Albums „Blackbox“ des Rappers Laas Unltd. und dessen zeitgleich gestarteter „Kampagne gegen illegale Downloads“ lässt Oliver Marquardt, der neue Chefredakteur von rap.de, sich nicht lumpen, diese Kampagne in einem Artikel auf rap.de erstmal zu demontieren. Was sein gutes Recht ist, und mal ganz abgesehen davon, dass ich Laas Unltd. nicht kenne und weder er, noch seine Musik mich sonderlich interessieren, ist die Art und Weise wie das Ganze vonstatten geht, tatsächlich ein wenig, nun ja, suboptimal, sowohl im Modus Operandi, als auch in der Präsentation. Aber gut. Marquardt sieht sich also genötigt einige Worte zum Phänomen der illegalen Downloads zu verlieren, und beweist aufs journalistisch Allerschlampigste eine katastrophale intellektuelle Kurzsichtigkeit.
Ob nun Laas Unltd. von „der irrigen Annahme“ ausgehe, „jeder, der sich ein Album illegal herunterlädt, würde dieses stattdessen kaufen, wenn dies nicht möglich wäre“ oder ob er nun von den braven Downloadern spricht, „die es zunächst illegal herunterladen, es nach Anhören und Gefallen dann tatsächlich“ kaufen, Marquardt bedient nahezu jedes Argument, mit dem die Filesuckers ihr Tun zu beschönigen bzw. verharmlosen suchen. Zur Untermauerung führt er dann eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung an, welche besagt, dass „die Nutzer illegaler Filmseiten (...) im Schnitt nicht etwa weniger, sondern sogar deutlich mehr Geld für Kino und DVDs ausgeben als solche, die sich keine Raubkopien ansehen“. Anstatt dass Marquardt die Schwachsinnigkeit dieser Studie aufzeigt (natürlich geben Leute, die kino.to etc. nutzen, mehr Geld für Film und Kino aus, schlichtweg weil sie diesen Medien ein gesteigertes Interesse entgegenbringen), verweist er noch rasch auf die Tatsache, dass diese Studie – conspiracy theory, ick hör dir trapsen! – nicht publiziert werden durfte und überträgt sie dann auf die Rap-Szene. Doll. Ja, es ist klar, dass Rap-Hörer mehr Alben downloaden, als Leute, die mit Rap nix am Hut haben.
Und wenn er sich dann noch zu diesem wirklich, wirklich allerblödsinnigsten aller Vergleiche versteigt, nämlich das Kopieren von CDs und Schallplatten auf Tapes mit dem Uploaden und damit grenzenlos Verfügbarmachens eines Albums gleichzusetzen, dann – ja, dann fragt man sich wes Geistes Kind der neue rap.de-Chefredakteur denn nun ist. Ich meine, wer die Kausalität zwischen sinkenden Plattenverkäufen und steigenden Downloadzahlen nicht erkennt, der will sie nicht erkennen, und der geht dann vermutlich auch bei einem Gewitter vor die Tür und behauptet, es sei nicht erwiesen, dass er wegen des Regens nass würde, das könne ja auch andere Ursachen haben.
Marquardts leicht linksliberal angehauchter und Piratenpartei-konformer Reflex, die armen illegalen Downloader gegen die bösen, bösen Künstler, die so dreist sind für ihre Musik Geld zu verlangen, in Schutz zu nehmen gipfelt in seiner Einseitigkeit denn auch in seinem rasch und der journalistischen Sorgfaltspflicht (haha) geschuldeten Statement an die Rapper, die sich „lieber überlegen“ sollten, „in welcher Art und Weise sich mit Musik auch im 21. Jahrhundert noch Geld verdienen lässt“. Genau. Und solange laden wir halt dann mal noch fleißig runter.
Dass Marquardt illegales Filesharing und die damit verbundene Selbstbedienungsmentalität als gesellschaftliches Phänomen hinnimmt, ist ja zunächst mal okay. Aber dass ihm die kulturellen Auswirkungen dessen aber nichtmal eine Fußnote wert sind, und er den schwarzen Peter den Künstlern in die Schuhe schiebt, dagegen weniger.
Aber bleiben wir mal auf dem gleichen Niveau. Jeder Rap-Musiker hat seinen Twitter-Account, seine Facebook-Seite und sein eigenes Forum. Fans informieren sich bei „ihren“ Künstlern direkt, ohne den Umweg über eine berichtende Instanz, wie etwa rap.de, zu nehmen. Wenn sie wissen wollen ob ihnen ein Album gefällt, laden sie es runter, hören es durch und bilden sich ihre eigene Meinung, dazu benötigen sie keine Review. Und Internet-Phänomene, Youtube-Karrieren etc verbreiten sich über die Mundproaganda von Messengern, und sicherlich nicht über die Newsseiten von Magazinen. Rap-Journalismus ist als berichtende Instanz weitestgehend bedeutungslos. Die einzige Möglichkeit wieder Bedeutung zu erlangen ist es, journalistisch anspruchsvolle und dabei verständliche Texte zu verfassen; beispielsweise Essays, welche die Filesharing-Problematik behandeln. In denen nicht stumpf etwas angeprangert oder schlechtgeredet wird, sondern wo Phänomene skizziert und die Wechselwirkungen aufgezeigt werden, beispielsweise dass es ökonomisch keinen Sinn macht, Geld in die Produktion eines Albums zu stecken, wenn man am Ende rote Zahlen schreibt; dass Fans aber ein schlecht produziertes Album nicht kaufen werden, und somit ein Teufelskreis entsteht. Dass es mehr Rapper als Kfz-Mechaniker in Deutschland gibt, und dass die schiere Masse des Angebots es natürlich unmöglich macht, jedes Album zu kaufen. Dass die im Filesharing inhärente Selbstbedienungsmentalität sich möglicherweise auf den gesamten kulturellen Sektor auswirkt. Und dass man sich fragen sollte, ob eine Kultur, in der man für Ideen und geistige Urheberschaft nicht mehr entlohnt wird, eine wünschenswerte ist. Das sind alles so Fragen.
Da Herr Marquardt diese Fragen nicht stellt, und stattdessen auf niedrigstem Blog-Niveau Milchmädchenrechnungen reproduziert und präsentiert, sollte er sich lieber mal fragen, inwiefern sich mit Rap-Journalismus im 21. Jahrhundert noch Geld verdienen lässt.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

ich finde es klasse das du bestimmte begebenheiten fast schon akribisch unter die lupe nimmst. selbst wenn es so belanglos -scheint-.

lese immer wieder gerne deinen blog.

Anonym hat gesagt…

Schlüssige Argumentation, sauber niedergeschrieben.

Chapeau!

Ju

Anonym hat gesagt…

hey ya, ihr könnt ganz gut schreiben. also erstmal: rap.de waren und sind opfer. aber die seite belustigt mich dafür mit schöner regelmäßigkeit......ihr rapper müsst mal anerkennen, die zeiten haben sich geändert, gegen die downloads könnt ihr nix machen, AUSSER: ihr tourt und habt ne geile live show. die musik als gespeicherte information taugt leider / (zum glück bei mind. 1.000.000 substandard-alben pro monat) nicht mehr zum geldverdienen....abgesehen davon: "Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant." - August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Politische Gedichte 1843.......wir wollen hier ja keine standards wie 33 - 45........apropos hatte von schwartz und blokkmonster auf youtube n teaser für 2011 gesehen, wo blokk sowas wie flow hatte, würd das gern auf albumlänge sehen, würd ich soger kaufen ihr opfers!

Anonym hat gesagt…

Du bringst keine sachlichen Argumente warum man sich überteuerte CDs kaufen soll an denen die Künstler eh nichts verdienen weil der großteil an die Labels usw. geht. Stattdessen beleidigst du ununterbrochen den Redakteur von rap.de Das finde ich unterstes niveau!

Hans Dampf hat gesagt…

"Der Rap-Journalist im Zeitalter seiner diskussionstechnischen Bedeutungslosigkeit"

Anonym hat gesagt…

Du bringst keine sachlichen Argumente warum man sich überteuerte CDs kaufen soll an denen die Künstler eh nichts verdienen weil der großteil an die Labels usw. geht. Stattdessen beleidigst du ununterbrochen den Redakteur von rap.de Das finde ich unterstes niveau!



Und du weist auch nicht warum am Ende vom Supermarkt so komische Kisten mit Frauen drinne stehen, die alles einmal umdrehn bevor man es mitnehmen kann?
Oder weist du es etwa und ignoriertst du sie aus selbstbeschriebener Sicht, indem du Nachts mit eindem Sack und einer Schaufel übers Gemüse-Acker schleichst?

Denk doch bitte mal nach bevor du hier die Seite zuspämmst!

Anonym hat gesagt…

>>Und du weist auch nicht warum am Ende vom Supermarkt so komische Kisten mit Frauen drinne stehen, die alles einmal umdrehn bevor man es mitnehmen kann?<<

Der Vergleich hinkt:
Fall 1) Ich gehe in den Supermarkt und klau' mir ne Dose Red Bull. Ich trinke die Dose aus. Die Dose ist weg und kein anderer kann sie bezahlen/klauen/konsumieren.

Fall 2) Ich lade mir ein Album aus dem Internet. Ich höre es mit meinem Mediaplayer, streame es durch das ganze Haus, lege es unter einen Urlaubsfilm, verwerte es weiter für einen Remix oder brenne es auf CD um es im Auto zu hören. Eine weitere Kopie liegt noch immer im Internet und ein anderer kann das Album weiterhin laden/hören/konsumieren.

Wird dir der Unterschied bewusst? Ich weiß nicht warum Downloads ständig mit Autodiebstählen o.ä. gleichgesetzt werden.

Ich behaupte nicht, dass Künstlern durch illegale Downloads keine Verluste entstehen. Es ist aber eine andere Sache eine Straftat und einen Delikt auf die gleiche Stufe zu stellen.

Jona hat gesagt…

Da kann man als Künstler nur Danke! sagen, dass es noch Menschen mit Verstand gibt, nicht nur Polemiker, wie den rap.de Trottel.
Was sich nicht aufhalten lässt, ist dewegen nicht automatisch korrekt. Es ist dennoch hinzunehmen.
Den Unterschied dessen habt ihr hofftl. auch den "rap" Hörern rüber gebracht.

Anonym hat gesagt…

Ich behaupte nicht, dass Künstlern durch illegale Downloads keine Verluste entstehen. Es ist aber eine andere Sache eine Straftat und einen Delikt auf die gleiche Stufe zu stellen.

Wo soll den der Unterschied sein, Red Bull gibts in Mengen, ist also noch da. Genau wie dein Album im Netz! Red Bull is versichert, oder kommt als Umlage auf andere Artikel, Künstler haben aber unversicherte Einnahme Löcher. Das der einzige Unterschied den ich sehe. Was ist also schlimmer?

Aber wie geil sich manche Leute outen, klauen brennen saugen alles scheisegal.

Anonym hat gesagt…

Also wenn Du die Argumentationskette nach meiner Erklärung noch immer nicht verstehst, musst du entweder sehr ignorant oder sehr dumm sein.

Nochmal: Gerade für unabhängige Künstler die keinen Major-Deal haben und/oder nicht im Radio gespielt werden ist die Sache mit den illegalen Downloads sau scheiße. Natürlich muss ein Künstler für seine Arbeit auch entlohnt werden. Nur: was bringt es, einen Großteil der Jugendlichen zu Straftätern zu machen?

Die Kids haben die Möglichkeit das Zeug zu laden, und werden das weiterhin tun.
Von daher erscheint mir der Tipp für Künstler neue Wege zu finden um Geld zu verdienen eigentlich sehr schlüssig.
Ne Postkutsche würde heute auch keiner mehr benutzen, weils halt Emails gibt, da darf sich der Postkutschenfahrer auch nicht beschweren.
Warum investiert man also viel Geld in das Pressen von CDs, wenn MP3s viel praktischer sind.

Klar, Tapes und Vinyl haben noch einen gewissen Charm für Sammler, aber CDs doch nun wirklich nicht.

Anonym hat gesagt…

mp3-dateien sind ja so praktisch, weil auf eine CD gleich 1000 Lieder passen, ne? nichtmal wissen, was mp3 und cd ist, aber mitreden wollen, peinlich.

"Ich weiß nicht warum Downloads ständig mit Autodiebstählen o.ä. gleichgesetzt werden."

Unwissenheit schützt auch bei Raubkopierern vor Strafe nicht.

gott, sind die echt alle so dumm hier oder sind das nur fake-kommentare?